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Schwäbische Toskana - Die besten Wohnlagen in Waiblingen
Der Umzug von Leonberg nach Waiblingen war ausschließlich berufsbedingt. „Wir fühlten uns dort sehr wohl“, sagt Julia Goll. Doch vor der letzten Landtagswahl hatte ihr Mann den Wählern versprochen, in seinen Wahlkreis zu ziehen, wenn er das Mandat bekommt. Der...
| Durchschnittspreise | Einfamilienhaus Kaufpreis | Eigentumswohnung Kaufpreis pro qm | Haus oder Wohnung Miete pro qm | ||||
| Altstadt | 300 000 bis 650 000 | ![]() | 1500 bis 2800 | ![]() | 7,50 bis 10,50 | ![]() | |
| Beinstein | 320 000 bis 580 000 | ![]() | 1500 bis 2600 | ![]() | 7,00 bis 9,50 | ![]() | |
| Galgenberg/Alte Korber Höhe | 330 000 bis 1 600 000 | ![]() | 2000 bis 3200 | ![]() | 8,00 bis 11,00 | ![]() | |
| Neustadt/Hirschlauf | 220 000 bis 550 000 | ![]() | 1500 bis 2500 | ![]() | 7,50 bis 10,00 | ![]() | |
| Südstadt | 200 000 bis 550 000 | ![]() | 1100 bis 2700 | ![]() | 7,50 bis 10,00 | ![]() | |
| Durchschnittspreise in Euro für typische Objekte; *kein ausreichendes Angebot | |||||||
Immobilien Angebote in dieser Region:
Der Umzug von Leonberg nach Waiblingen
war ausschließlich berufsbedingt.
„Wir fühlten uns dort sehr wohl“, sagt
Julia Goll. Doch vor der letzten Landtagswahl
hatte ihr Mann den Wählern versprochen,
in seinen Wahlkreis zu ziehen,
wenn er das Mandat bekommt. Der FDP-Politiker
Ulrich Goll wurde gewählt –
und ist heute Justizminister und stellvertretender
Ministerpräsident von Baden-
Württemberg.
Mit fünf Kindern zwischen vier und
zwölf Jahren waren die Umzugspläne
nicht ganz einfach umzusetzen – zumal
ein Zimmer für jedes Kind, zusätzlich
je ein Arbeitszimmer für die Eltern, ein
Gästezimmer sowie ein Garten auf der
Wunschliste ganz oben standen. In
Stuttgart
hätte die Familie dafür mindestens
zwei bis drei Millionen Euro
zahlen müssen.
Die Golls griffen daher sofort zu, als
ihnen ein Grundstück in Waiblingen auf
der Alten Korber Höhe angetragen wurde,
obwohl sie ursprünglich nicht selbst
bauen wollten. Dort hatte der Bauträger
bereits ein Doppelhaus geplant. Während
heute in neu erschlossenen Baugebieten
der Stadt schon bis zu 700 Euro verlangt
werden, lag der Durchschnittspreis damals
bei gut 500 Euro. Für Julia Goll, eine
derzeit beurlaubte Richterin, war die Gegend
„absolut perfekt“: alle Schultypen in
Reichweite, in Fußentfernung sogar drei
Kindergärten, eine lebendige Altstadt mit
einer Vielzahl von kleineren Geschäften.
Und wenn sie doch mal nach Stuttgart
muss, ist sie mit Auto oder öffentlichen
Verkehrsmitteln schnell dort. Julia
Goll ist in ihrer neuen Heimat angekommen:
Inzwischen kämpft sie als
neu gewählte Stadträtin für die Belange
ihrer Wahlheimat.
Das Remstal im Stuttgarter Norden,
zu dem Waiblingen zählt, bezeichnet sich
selbst – nicht ganz unbescheiden – als
schwäbische Toskana. An sonnigen Tagen
bieten die vielen kleinen idyllischen Weinorte mit ihren Fachwerkgassen, ihrer
überschaubaren Größe und den gepflegten
Ortskernen ein mediterranes
Flair. Auch Waiblingen mit rund 55.000
Einwohnern hat durchaus Charme.
Auf dem hiesigen Immobilienmarkt
ist derzeit allerdings eine gewisse Zurückhaltung
zu spüren. Knapp über hundert
Objekte sind auf dem Markt – in vergleichbaren
Städten sind es doppelt so
viele. Fast ein Drittel des Angebots ist dem
Neubaubereich zuzuordnen. Sie stehen
vorerst nur auf dem Papier und haben
eine entsprechend lange Vermarktungszeit.
So gering ist die Bautätigkeit, dass die
Stadt Waiblingen ein Paket an Fördermaßnahmen
beschlossen hat, um besonders
den Wohnungsbau für junge Familien
anzukurbeln.
Ganz eindeutig sind die Gründe für
die Zurückhaltung nicht. Während Thomas
Brandl, Repräsentant von Ellwanger
& Geiger in Weinstadt, vor allem im gehobenen
Segment eine stärkere Konzentration auf Stuttgart beobachtet,
macht Wolfgang Langer von Engel &
Völkers
eher eine Zurückhaltung bei den
Verkäufern aus. Diese könnten ihre – zum
Teil unrealistischen – Preisvorstellungen
am Markt derzeit nicht durchsetzen und
warteten daher mit der Veräußerung.
Selbst der Mietermarkt, bislang eine
feste Säule, bröckelt ab. Vor allem in den
Vierteln Blütenäcker und Südstadt haben
sich nach Angaben von Thomas Rieck,
Leiter Immobilienverwaltung der BWBank,
die Preise deutlich bewegt.
Daher ist Waiblingen für Kapitalanleger
nur bedingt interessant. Das
Pflaster ist zu teuer, ohne dass sich das
in den Mieten widerspiegelt. Manchen
Investoren freilich reichen die Bruttorenditen
von etwa fünf Prozent. „Wer sein
Geld aber in Sicherheit bringen will“, so
Immobilienfachmann Langer, „der findet in Waiblingen auch durchaus geeignete
Objekte.“
Die generelle Pattsituation am Markt
hat dazu geführt, dass Kaufwillige sich die
Perlen aussuchen können. Begehrt sind
nahezu ausschließlich Bestandsimmobilien:
frei stehende Häuser oder Doppelhaushälften,
auch Reihenhäuser in einer
gewachsenen Nachbarschaft aus den
70er- und 80er-Jahren. Wenn Lage und
Grundstücksgröße stimmen, sind die
Käufer durchaus gewillt, inklusive Modernisierungsaufwand
dasselbe wie für
einen Neubau zu investieren.
Wer schnell zu eigenen vier Wänden
kommen will, dem rät auch Makler Thomas
Brandl zum Kauf, schon weil die
Finanzierung
so günstig wie selten sei
und die Preise stabil seien. Wer keine Eile
hat, sollte eher abwarten. In nur wenigen
Jahren wird sich der Verkäufermarkt
Maklern zufolge in einen Käufermarkt
drehen, mit fühlbaren Auswirkungen auf
das Preisgefüge.
Für sinkende Preise sorgt auch die demografische
Entwicklung: Immer mehr
ältere Menschen verkaufen ihre Häuser
und ziehen in altersgerechte Wohnungen.
Das steigende Angebot stärkt die
Verhandlungsposition der Käufer. „Wer
heute sein Haus für 400.000 Euro verkaufen
könnte“, sagt Makler Wolfgang
Langer, „dürfte in fünf Jahren weniger
bekommen.“
Stärker als die anderen Märkte im Umfeld von Stuttgart ist Waiblingen in Bewegung. Die Chance sollten Käufer und Verkäufer für ihre Interessen nutzen. Immobilienfachleute rechnen damit, dass in absehbarer Zeit mehr Objekte verkauft werden, sodass sich der Verkäufermarkt zu einem Käufermarkt wandelt, mit allen Konsequenzen für die am Markt erzielbaren Preise.





