Start in eine neue Ära - Die besten Wohnlagen in Frankfurt

Die neue Landebahn des Flughafens spaltet den Immobilienmarkt. In der Einflugschneise sinken die Preise schneller als die Jets am Himmel. In ruhigen Vierteln steigen sie besonders rasch, wenn Zuzügler mit Lärmflüchtlingen um dieselben Objekte buhlen. Eigentlich fehlt es der einwohnerstärksten Stadt Hessens an Größe für eine echte Metropole: Knapp 700.000 Menschen lebten Ende 2011 in der Mainstadt, bis 2020 kommen weitere 25.000 hinzu.

Beitrag erstellen
Quellcode für Karte
Durchschnittspreise Top Wohnlage Gute Wohnlage Mittlere Wohnlage Einfache Wohnlage
Einfamilienhäuser (€) Altbau
600.000 - 2.500.000
520.000 - 1.600.000
320.000 - 520.000
210.000 - 320.000
Neubau
k.A.*
550.000 - 1.700.000
330.000 - 550.000
240.000 - 360.000
Eigentumswohnungen
pro qm (€)
Altbau
3300 - 6000
2500 - 5000
1800 - 2600
1400 - 1800
Neubau
4000 - 7000
3000 - 5600
2100 - 3100
1500 - 2100
Miete pro qm (€) Altbau
13,50 - 18,00
10,00 - 14,00
8,00 - 11,00
6,50 - 8,50
Neubau
16,00 - 19,00
11,50 - 17,00
8,00 - 11,50
7,00 - 9,00
Durchschnittliche Preis- und Mietspannen in Euro für Eigenheime sowie Wohnungen, die bei Wohnfläche, Ausstattung oder Grundstücksgröße typisch für die jeweilige Lagekategorie sind. Als Neubau gelten Objekte, die nicht älter als fünf Jahre sind oder die gerade errichtet werden. Bei Immobilien, die dem Standard nicht entsprechen, können Preise und Mieten von den genannten Werten abweichen. Quelle: Maklerumfrage, Erhebungszeitraum 2012 (*k.A: kein ausreichendes Angebot)
Start in eine neue Ära - Die besten Wohnlagen in Frankfurt

Die neue Landebahn des Flughafens spaltet den Immobilienmarkt. In der Einflugschneise sinken die Preise schneller als die Jets am Himmel. In ruhigen Vierteln steigen sie besonders rasch, wenn Zuzügler mit Lärmflüchtlingen um dieselben Objekte buhlen.

Eigentlich fehlt es der einwohnerstärksten Stadt Hessens an Größe für eine echte Metropole: Knapp 700.000 Menschen lebten Ende 2011 in der Mainstadt, bis 2020 kommen weitere 25.000 hinzu.

Zwischen Montag und Freitag pendeln zusätzlich rund 300.000 Menschen zur Arbeit in die Bankenstadt. Viele Teilzeitfrankfurter mieten für die Arbeits­woche eine Zweitwohnung. Die Konsequenz: Die Zahl der Singlehaushalte steigt weiter, inzwischen liegt sie bei mehr als 53 Prozent – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Vor allem kleinteiliger Wohnraum ist Mangelware. Die Preise ziehen an – selbst für ältere Bausubstanz. So mussten Käufer für Eigentumswohnungen, die 60 Jahre und älter sind, mit durchschnittlich 2850 Euro pro Quadratmeter acht Prozent mehr zahlen als noch im Jahr zuvor. Und das, obwohl die Stadt 2011 mit neuen ­Eigentumswohnungen geradezu überschwemmt wurde. Willkommen in der Finanzmetropole. Preise für Miete und Wohneigentum behaupten sich in Frankfurt gut in der Liga der Großstädte wie München, Köln oder Hamburg. Äußerst begehrt sind hochwertige Eigentums- und Mietwohnungen sowie Häuser in zentraler Stadtlage wie etwa im Westend-Nord.

Hier wurden kürzlich auf einem Gartengrundstück Neubauwohnungen ab 20 Euro Miete pro Quadratmeter ange­boten und innerhalb weniger Tage vermietet. Eine Penthousewohnung, an der Fellnerstraße unweit des Eschenheimer Tores auf ein Bürogebäude aus den 70ern aufgesetzt, wurde ebenfalls für 20 Euro pro Quadratmeter schnell vermietet.

Insgesamt wurden in Frankfurt im vergangenen Jahr Wohnimmobilien im Wert von rund 2,1 Mrd. Euro verkauft. Laut Gutachterausschuss entfiel der Lö­wen­anteil mit 1,1 Mrd. Euro auf Eigentumswohnungen. „Gemes­sen an der Bevölkerungszahl nimmt Frankfurt mit rund 1600 verkauften Neubaueigentumswohnungen hinter München bundesweit den zweiten Platz ein“, freut sich Planungsdezernent Edwin Schwarz. Ein Rekord zum Ende ­seiner Amtszeit.

Am teuersten ist es im südlichen Westend. Dort werden Quadratmeterpreise von bis zu 12.260 Euro aufgerufen, für die teuerste Wohnung sollen gar 14.500 Euro pro Quadratmeter geflossen sein. Ins­gesamt stieg die Zahl der Verkäufe von Wohnungen, in denen der Quadratmeter mehr als 5000 Euro kostet, um 35 Prozent.

Ein Ende des konstanten Zuzugs in die Stadt ist derzeit nicht in Sicht. Daher sieht das Wohnbauland-Entwicklungsprogramm der Stadt Flächenreserven für weitere 20.000 Wohnungen vor. Hinzu kommen noch nicht bebaute Restflächen sowie Baulücken für etwa 5000 Wohnungen. Allerdings stehen hinter ­etlichen Standorten Fragezeichen: etwa in der ­Bürostadt Niederrad, die unter hohem Leerstand leidet. Hier steht die Umwidmung von Bürogebäuden in Wohnungen im großen Stil schon seit Jahren ganz oben auf der Wunschliste der Stadtplaner. Zurzeit wird ein Bürohochhaus in seiner Funktion als Wohnturm getestet. Zum gemischten Wohn- und Arbeitsquartier mit 3000 Wohnungen ist es aber noch ein weiter Weg.

Frankfurts Innenstadtkern hingegen unterzieht sich bereits einer Metamorphose. Mitten im Herzen der Stadt, nur wenige Schritte von Rathaus und Römerberg entfernt, klafft eine riesige Baustelle: Auf dem Dom-Römer-Areal sollen künftig 15 historische und 20 neue Häuser stehen. Dabei werden die Gebäude aus der Zeit vom 16. bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitgehend original­getreu rekonstruiert. „Die Altstadt wird vorrangig ein Wohnquartier mit kleinen Läden und einigen Restaurants im Erd­geschoss“, sagt Michael Guntersdorf, ­Geschäftsführer des städtischen Projektentwicklers Dom-Römer. Die Quadratmeterpreise für das neue Wohnquartier starten bei 3300 Euro je Quadratmeter. Wer in ­einer der neu errichteten Altbauten wohnen will, muss Kompromisse akzeptieren, denn die Fassaden – und damit auch die Fenstergrößen – sind durch die historischen Vorgänger definiert. „Die Rekons­truktionen sind je nach handwerklichem Aufwand bis zu 80 Prozent teurer und somit echte Liebhaber­objekte“, so Guntersdorf.

Wenige Hundert Meter entfernt zwischen Mainufer, den Städtischen Bühnen und der Weißfrauenstraße entsteht der Riverside Financial District. Wo vor ­Kurzem noch die Bauten von Degussa aufragten, wächst um einen begrünten Platz mit Gastronomie und Läden ein Viertel mit Büroblocks sowie drei Wohnpalazzi und drei Apartmenthäusern in Naturstein.

Dritte Großbaustelle in der City ist der Taunusturm, ein 170 Meter hohes Büro- und ein 63 Meter hohes Wohngebäude in direkter Bankennachbarschaft. Aus­geträumt ist indes der Wohntraum in City­lage für die ehemalige Diamantenbörse an der Stephanstraße. Ursprünglich ­wollte Eigentümer Ardi Goldman das Hochhaus in ein Wohn- und Geschäftsgebäude umbauen, scheiterte aber an einem Gerichtsurteil – und entwickelt jetzt stattdessen ein Objekt mit kleinen Büros und mehr als 5000 Quadratmetern für Geschäfte.

Lage, Lage, Lage – für den Frankfurter Süden hat das Motto spätestens seit Oktober 2011 eine noch stärkere Bedeutung bekommen. Seitdem ist die neue Landebahn am Rhein-Main-Flughafen offen und wird – zwar längst noch nicht mit der kompletten Auslastung, aber schon häufig – angeflogen. Fast parallel verlaufen nun zwei Anflugrouten über Oberrad, Sachsenhausen und Niederrad. Bis 2020 wird der Verkehr weiter wachsen und der Fluglärm sich nahezu verdoppeln, prognostiziert die Deutsche Flugsicherung. Vor allem in den höheren Lagen am Lerchesberg und südlich der Mör­felder Landstraße klagen die Bewohner über kurze Nächte, wenn bereits ab 5 Uhr morgens die Langstreckenflieger zur Landung ansetzen. Auch tagsüber ist der Geräuschpegel so, dass Gärten und Balkone kaum noch zu genießen sind. Entsprechend sinken Wohnqualität – und Immobilienpreise.

capital.de, 04.05.2012

Stadtteil-Vergleich: Die besten Wohnlagen

Kaufpreise:Einfamilienhaus
Altbau
Einfamilienhaus
Neubau
ETW Altbau
(pro qm)
ETW Neubau
(pro qm)
Westend1.000.000 - 2.000.000k.A.* 3800 - 60005800 - 7000
Holzhausenviertel1.000.000 - 2.500.000k.A.* 3600 - 60004500 - 6300
Diplomatenviertel/Bockenheim800.000 - 2.500.000k.A.* 3300 - 60005400 - 7000
Westhafen/Gutleutviertelk.A.* k.A.* 2000 - 47004500 - 6000
Sachsenhausen550.000 - 2.000.000700.000 - 1.700.0002300 - 55003000 - 5600
Nordend650.000 - 1.100.000k.A.* 2900 - 38003400 - 4900
Dornbusch600.000 - 1.100.000k.A.* 2600 - 40003000 - 4800
Lerchesberg550.000 - 800.000600.000 - 1.000.0002500 - 38003500 - 5000
Europaviertelk.A.* k.A.* k.A.* 3200 - 4300
Bornheim380.000 - 580.000450.000 - 700.0002000 - 25002800 - 3700
Riedberg 340.000 - 500.000370.000 - 700.0002100 - 29002800 - 3700
Ostendk.A.* k.A.* 2100 - 27003200 - 3800
Rebstockk.A.* k.A.* 2400 - 28002700 - 3500
Mietpreise:Haus oder Wohnung
Altbau (pro qm)
Haus oder Wohnung
Neubau (pro qm)
Capital-Urteil**
Westend13,50 - 18,0016,00 - 19,00
Holzhausenviertel13,00 - 16,5015,00 - 18,00
Diplomatenviertel/Bockenheim12,00 - 14,5013,50 - 16,50
Westhafen/Gutleutviertel11,00 - 15,5013,00 - 18,00
Sachsenhausen8,50 - 14,0013,00 - 15,50
Nordend10,50 - 14,5014,00 - 17,00
Dornbusch9,50 - 12,0011,00 - 15,00
Lerchesberg9,50 - 12,0012,50 - 14,00
Europaviertelk.A.* 10,50 - 14,00
Bornheim9,00 - 10,5010,00 - 12,50
Riedberg 9,00 - 11,0011,00 - 13,00
Ostend9,00 - 11,0010,00 - 13,00
Rebstock9,00 - 11,0011,00 - 13,00
Durchschnittspreise in Euro für typische Objekte; Quelle: Maklerumfrage, Erhebungszeitraum 2012
Preisprognose für 12 Monate: = mehr als +5%, = +2 bis +5%, = +2 bis -2%, = -2 bis -5%, = mehr als -5%.
(*kein ausreichendes Angebot; **Capital-Urteil: Ein Haus steht für "Finger weg",fünf Häuser stehen für ein "sehr attraktives Investment")
4
Capital-Urteil**
Frankfurt bleibt teuer. Wer im Westend, im Nordend oder im Dichterviertel die Preise nicht mehr bezahlen kann, muss sich weiter stadtauswärts orientieren. ­Davon profitieren mittelfristig Eschersheim, ­Rödelheim und Ginnheim. Auch in einfachen Zentrumslagen wie Gallus und Gutleutviertel werden auf lange Sicht wegen des neuen Europaviertels und der Ver­änderungen in der Frank­furter City in Main­ufernähe die Preise anziehen.

 
 

Frankfurt am Main - Alle Wohnlagen: