Dann eben nebenan - Die besten Wohnlagen in Hamburg

Hamburg legt sich ins Zeug – überall in der Stadt entsteht neuer Wohnraum. Der Druck auf Miet- und Kaufpreise in den begehrten Vierteln lässt dennoch nicht nach. Das führt zu einem ansteigenden Niveau auch in angrenzenden B-Lagen. Hamburg-Bahrenfeld, Schützenstraße 2, Donnerstag, 16.50 Uhr. Die Maklerin ist vor der vereinbarten Zeit da, die Wohnungssuchenden auch: drei junge Pärchen, zwei junge Männer, ein kauziger Typ um die 50. „Ich gebe Ihnen ...

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Durchschnittspreise Top Wohnlage Gute Wohnlage Mittlere Wohnlage Einfache Wohnlage
Einfamilienhäuser (€) Altbau
350.000 - 12.000.000
250.000 - 3.500.000
220.000 - 1.500.000
150.000 - 500.000
Neubau
650.000 - 3.100.000
450.000 - 1.000.000
300.000 - 600.000
220.000 - 350.000
Eigentumswohnungen
pro qm (€)
Altbau
2500 - 10.000
2200 - 8000
1800 - 4500
800 - 2800
Neubau
3200 - 15.000
2700 - 7000
2500 - 6000
2000 - 5000
Miete pro qm (€) Altbau
12,00 - 21,00
10,00 - 18,00
8,00 - 14,00
6,00 - 12,00
Neubau
15,00 - 24,00
12,00 - 17,00
10,00 - 15,00
7,00 - 14,00
Durchschnittliche Preis- und Mietspannen in Euro für Eigenheime sowie Wohnungen, die bei Wohnfläche, Ausstattung oder Grundstücksgröße typisch für die jeweilige Lagekategorie sind. Als Neubau gelten Objekte, die nicht älter als fünf Jahre sind oder die gerade errichtet werden. Bei Immobilien, die dem Standard nicht entsprechen, können Preise und Mieten von den genannten Werten abweichen. Quelle: Maklerumfrage, Erhebungszeitraum 2012 (*k.A: kein ausreichendes Angebot)
Dann eben nebenan - Die besten Wohnlagen in Hamburg

Hamburg legt sich ins Zeug – überall in der Stadt entsteht neuer Wohnraum. Der Druck auf Miet- und Kaufpreise in den begehrten Vierteln lässt dennoch nicht nach. Das führt zu einem ansteigenden Niveau auch in angrenzenden B-Lagen.

Hamburg-Bahrenfeld, Schützenstraße 2, Donnerstag, 16.50 Uhr. Die Maklerin ist vor der vereinbarten Zeit da, die Wohnungssuchenden auch: drei junge Pärchen, zwei junge Männer, ein kauziger Typ um die 50. „Ich gebe Ihnen gleich den Mietbewerbungsbogen mit“, sagt die Maklerin. Ein Standardprozedere, das die meisten schon kennen.

In den folgenden zehn Minuten treffen nach und nach weitere Interessenten ein, insgesamt zwölf Leute, die gern in die arg renovierungsbedürftige Wohnung einziehen würden. „Alles eine Frage der Einrichtung“, sagt eine junge Frau aus Wandsbek optimistisch. Sie ist Schlimmeres gewohnt. „Wir wohnen zu zweit auf 40 Quadratmetern, die Hütte ist voller Schimmel, und der Vermieter macht nichts dagegen. Trotzdem zahlen wir über 500 Euro warm.“

Willkommen in Hamburg. Hier ist Wohnraum seit Jahren knapp und teuer. Der wirtschaftlich starke Stadtstaat bietet eine hohe Lebensqualität – und zieht ­dadurch immer mehr Menschen an. „Obwohl überall in Deutschland die Bevölkerung abnimmt, könnten 2030 in Hamburg 1,9 Millionen Menschen leben“, sagt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz. Bereits heute sind es fast 1,8 Millionen. Und die wollen wohnen – möglichst nicht irgendwo, sondern in den zentrums­nahen Stadtteilen. Mit durchschnittlich 13,50 Euro Miete je Quadratmeter im Neubau ist das kein billiges Vergnügen.

Hamburg-Bahrenfeld, Schützenstraße 2, 17.05 Uhr. Die kleine Wohnung in dem Rotklinkerblock von 1912 gehört eindeutig nicht zu Hamburgs Spitzenobjekten. 52 Quadratmeter, verteilt auf 2,5 Zimmer, das Bad ist winzig, die Holzfußböden sind abgeschabt, die Aussicht aus den Fenstern endet vor einem grauen Betonbau. Der Vormieter hat einen klebrigen Gasherd und eine Waschmaschine hinterlassen, die fast 25 Jahre auf der Trommel hat. Weiteres Manko: die alte Nachtspeicherheizung. Ein Student mit Lockenkopf will wissen, was da auf ihn zukommt. Heizen mit Strom, das ist bestimmt teuer. Die Maklerin beschwichtigt: „Auch nicht teurer als mit Gas oder Öl, es kommt halt auf den Verbrauch an.“ Mehr als 700 Euro können der Lockenkopf und seine Freundin nicht ausgeben. Die Miete liegt schon bei 557 Euro, inklusive Betriebskosten. Da bleibt nicht viel Luft.

Durchschnittsverdiener haben es in Hamburg schwer, eine bezahlbare Bleibe zu finden – auch, wenn sich das ändern soll. Senat und Wohnungswirtschaft haben medienwirksam ein „Bündnis für das Wohnen“ geschlossen. Schneller, unbürokratischer sollen Neubauten errichtet werden. „Wir haben 2011 mehr als 6000 Baugenehmigungen erteilt“, frohlockt Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau.

Planen ist das eine, bauen das andere. Wie viele neue Wohnungen in diesem Jahr auf den Markt kommen? Blankau will sich nicht festlegen. „Es werden mehr sein als 2010“, sagt die Politikerin. Für 2011 gibt der Landesverband Nord des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) die Fertigstellungen mit 2227 Einheiten an – ein Plus von fast 63 Prozent gegenüber 2010.

Ein Fortschritt, aber kein bahnbrechender. Günstiger ist das Wohnen zumindest nicht geworden: Im zweiten Halbjahr 2011 lag der Durchschnittspreis bei der Neuvermietung in Gesamt-Hamburg bei 10,35 Euro je Quadratmeter.

Schlecht für Mieter, gut für Eigentümer. „Das Bündnis für Wohnen wird auf die Preise für Eigentumswohnungen in den nachgefragten Lagen nur wenig Auswirkungen haben“, sagt Frank Stolz, Initiator der aktuellen Marktstudie von Grossmann & Berger (G&B). In den Stadtteilen, in denen am meisten gebaut wurde, sind die Preissteigerungen mit 9,7 Prozent für den Quadratmeter Wohnfläche sogar am deutlichsten ausgefallen.

Ein Ausreißer nach oben ist Uhlenhorst: „Weil alle Neubauobjekte an den attraktiven Plätzen des Stadtteils liegen, stiegen die Preise innerhalb von nur zwei Jahren um 38 Prozent“, so Stolz. Mit durchschnittlich 5500 Euro je Quadratmeter ist Uhlenhorst heute teurer als ­Eppendorf.

Der BFW-Landesverband präsentiert ebenfalls eindrucksvolle Zahlen: Danach kostet der Quadratmeter Neubau im Hamburger Durchschnitt 3740 Euro, Bergedorf kommt am günstigsten weg – mit 2770 Euro. Altona, wahrlich kein Reichenviertel, bringt es auf durchschnittlich 4210 Euro.

Hamburg-Bahrenfeld, Schützenstraße 2, 17.15 Uhr: Altona liegt um die Ecke. Da würde das Pärchen aus Ottensen eigent­lich viel lieber hin. Aber es ist realistisch. „Viel zu teuer“, sagt die große Blondine, ihr Begleiter schweigt und lächelt. Den Preis hier in der Schützenstraße findet sie völlig in Ordnung. Obwohl 9 Euro Kaltmiete nicht gerade billig sind. „Wir wollen halt gern hier in der Nähe bleiben.“

Das wollen auch andere. Die Konsequenz: Auch die nicht so hippen Stadt­teile geraten ins Blickfeld von Wohnungssuchenden. „Wem es in Barmbek-Süd zu teuer ist, schaut sich im angrenzenden Eilbek um oder gleich in Hamm“, sagt Stefan Berner von Gladigau Immobilien. „Lieber eine gute Lage in einem nicht so angesagten Quartier als eine schlechte Lage in einem In-Viertel.“

Noch vor sechs Jahren hat er in Bahrenfeld Häuser mit 140 Quadratmetern Wohnfläche für 350.000 Euro verkauft. Heute werden sie für 600.000 Euro gehandelt. In der Wandsbeker Gartenstadt lagen die Einstiegspreise für Einfamilienhäuser vor fünf Jahren noch bei 100.000 Euro, heute gibt es sie nicht unter 120.000 Euro. Selbst Stellingen oder Lurup sind nicht mehr abwegig – weder für Mieter, noch für Käufer.

Patrick Görner von Berger Immobilien hält Lurup für „völlig unterbewertet“ – und das nicht nur, weil der ehemalige St.-Pauli-Fußballer André Trulsen dort wohnt. „Lurup hat schwierige soziale Strukturen, aber auch schöne bürgerliche Ecken“, so Görner. „Da gibt es noch frei stehende Einfamilienhäuser für 300.000 Euro.“ Und vielleicht bald auch neue Wohnungen. Denn das alte Gelände der Hermes-Schleiferei soll erschlossen werden.

Beschlossene Sache sind Wohnungsgroßprojekte in der neuen Mitte Altona, am Winterhuder Markt, an der Reimers­twiete in der Altstadt, wo ein leer stehender Bürokomplex mehr als 100 Wohnungen gewichen ist, und an den Harburger Brücken. Hier werden bis zum Herbst 185 Miet- und Eigentumswohnungen fertig sein. Der durchschnittliche Kaufpreis: stolze 4320 Euro pro Quadratmeter.

Hamburg-Bahrenfeld, Schützenstraße 2, 17.20 Uhr: Nach einer halben Stunde ist alles vorbei. Nur die Profis sind noch da: das dritte Pärchen. Der junge Mann drückt der Maklerin ein Blatt ­Papier in die Hand. „Ohne Bürgschaft ­gehen wir zu keiner Wohnungsbesich­tigung“, sagt er. Als junge Freiberufler hätten sie sonst schlechte Karten. Er hofft, dass es diesmal klappt. Wird es nicht ­besser durch all die Neubauten? „Überhaupt nicht“, sagt er, als die Maklerin nicht mehr in Sichtweite ist. „Die Ver­mieter fordern immer mehr Miete und machen Auflagen, weil sie wissen, dass sie es können.“

capital.de, 08.05.2012

Stadtteil-Vergleich: Die besten Wohnlagen

Kaufpreise:Einfamilienhaus
Altbau
Einfamilienhaus
Neubau
ETW Altbau
(pro qm)
ETW Neubau
(pro qm)
Alsterlagen/Harvestehude2.500.000 - 12.000.000k.A.* 4500 - 10.0005000 - 15.000
Hafencityk.A.* k.A.* 4500 - 95004500 - 11.000
Alsterlagen/Uhlenhorst2.000.000 - 9.000.000k.A.*3000 - 90004000 - 10.000
Alsterlagen/Rotherbaum2.000.000 - 7.000.000k.A.* 4000 - 90005500 - 10.000
Alsterlagen/Winterhude2.000.000 - 6.000.000k.A.* 4000 - 10.0004000 - 9000
Elbvororte700.000 - 6.000.0001.200.000 - 3.100.0003400 - 85004200 - 9000
Alsterlagen/Eppendorf/Hoheluft-Ost700.000 - 4.000.000k.A.* 3800 - 50004500 - 7500
Ottensenk.A.* k.A.* 2800 - 60004000 - 5500
St. Georg500.000 - 2.500.000k.A.* 1700 - 45003500 - 4500
Lokstedt400.000 - 2.500.000450.000 - 2.500.0002000 - 40003500 - 4500
Sternschanzek.A.* k.A.* 2800 - 50003500 - 5000
Walddörfer240.000 - 2.500.000500.000 - 1.000.0001500 - 30003000 - 5000
Alstertal250.000 - 1.200.000300.000 - 1.000.0001500 - 30003000 - 5000
Bergedorf250.000 - 1.000.000k.A.* 1300 - 35002000 - 4000
Altona600.000 - 900.000k.A.* 2600 - 50003500 - 4500
St. Paulik.A.* k.A.* 2500 - 38003500 - 4500
Barmbek350.000 - 900.000280.000 - 500.0001800 - 30003200 - 4200
Hammk.A.* k.A.* 1400 - 22003000 - 3700
Harburg180.000 - 400.000250.000 - 500.000800 - 25002500 - 3500
Wilhelmsburg150.000 - 350.000250.000 - 350.000800 - 20002200 - 3000
Mietpreise:Haus oder Wohnung
Altbau (pro qm)
Haus oder Wohnung
Neubau (pro qm)
Capital-Urteil**
Alsterlagen/Harvestehude12,00 - 18,0015,00 - 22,00
Hafencity14,00 - 16,0014,00 - 24,00
Alsterlagen/Uhlenhorst10,00 - 21,0014,00 - 16,00
Alsterlagen/Rotherbaum10,00 - 21,0014,00 - 20,00
Alsterlagen/Winterhude10,00 - 21,0012,50 - 20,00
Elbvororte12,00 - 21,0012,00 - 20,00
Alsterlagen/Eppendorf/Hoheluft-Ost10,00 - 16,0014,00 - 20,00
Ottensen10,00 - 16,0013,00 - 16,00
St. Georg9,00 - 16,00k.A.* 
Lokstedt8,00 - 12,0011,00 - 14,00
Sternschanze6,00 - 14,0011,00 - 16,00
Walddörfer8,00 - 14,0010,00 - 16,00
Alstertal8,00 - 14,0012,00 - 16,00
Bergedorf6,00 - 15,008,50 - 14,00
Altonak.A.*11,00 - 16,00
St. Pauli6,00 - 14,0011,00 - 15,00
Barmbek8,00 - 12,0012,00 - 14,50
Hamm8,00 - 11,0010,00 - 12,00
Harburg7,00 - 10,008,00 - 12,00
Wilhelmsburg6,00 - 10,007,00 - 12,00
Durchschnittspreise in Euro für typische Objekte; Quelle: Maklerumfrage, Erhebungszeitraum 2012
Preisprognose für 12 Monate: = mehr als +5%, = +2 bis +5%, = +2 bis -2%, = -2 bis -5%, = mehr als -5%.
(*kein ausreichendes Angebot; **Capital-Urteil: Ein Haus steht für "Finger weg",fünf Häuser stehen für ein "sehr attraktives Investment")
4
Capital-Urteil**
Mieter, Käufer und Investoren orientieren sich in der Hansestadt um. Wohnraum in den angesagten Vierteln ist rar und teil­weise absurd teuer geworden, trotz zahlreicher Bauprojekte. Sowohl die exorbitan­ten Preise als auch das mangelnde Angebot machen die angrenzenden Stadtviertel immer interessanter – und lassen auch in deren Bestlagen die Preise anziehen.

 
 

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