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Schluss mit frustig - Die besten Wohnlagen in Magdeburg
Trist, grau, arm. Sachsen-Anhalts Hauptstadt leidet unter ihrem Ruf. Deshalb mühen sich die Stadtväter jetzt um ein neues Image – dem Immobilienmarkt würde das guttun. Schön wär’s gewesen. Magdeburg wollte zum neuen Dresden werden und die von der SED gesprengte Ulrichskirche wieder aufbauen. Doch das Vorhaben entzweite die Magdeburger: Eine Bürgervereinigung plante, weltweit 30 Mio. Euro zu sammeln und das Gotteshaus pünktlich bis zum 500. ...
Trist, grau, arm. Sachsen-Anhalts Hauptstadt leidet unter ihrem Ruf. Deshalb mühen sich die Stadtväter jetzt um ein neues Image – dem Immobilienmarkt würde das guttun.
Schön wär’s gewesen. Magdeburg wollte zum neuen Dresden werden und die von der SED gesprengte Ulrichskirche wieder aufbauen. Doch das Vorhaben entzweite die Magdeburger: Eine Bürgervereinigung plante, weltweit 30 Mio. Euro zu sammeln und das Gotteshaus pünktlich bis zum 500. Jahrestag der Reformation im Jahre 2017 wieder aufzubauen. Die andere Fraktion plädierte für den Erhalt einer riesigen Grünfläche, die sich seit der Sprengung in der Stadtmitte ausbreitet. Beim Bürgerentscheid votierten drei Viertel der Magdeburger gegen einen Wiederaufbau. Eine klare Mehrheit, doch außerhalb Magdeburgs löste das Ergebnis Verwunderung aus. „Unsere Stadt soll hässlich bleiben“, spottete die „FAZ“.
Die Stadtväter wollen der schlechten Außenwirkung nun mit anderen Mitteln begegnen. Magdeburg soll 2020 europäische Kulturhauptstadt werden, so die neue Idee. Bis dahin buhlen sie als Otto-Stadt – nach Kaiser Otto dem Großen und dem Physiker und Bürgermeister Otto von Guericke – um Aufmerksamkeit. Die hält sich zwar in Grenzen, Immobilienmakler Olaf Kuhn sieht dennoch einen Sinn: „Die Idee ist gut“, sagt er, „und sie vermittelt Aufbruchstimmung.“ Karlheinz Körner, Geschäftsführer der Leistungsgesellschaft Haus & Grund, sieht das ähnlich: „Verglichen mit anderen Städten dieser Größe besitzt Magdeburg eine
einzigartige Kulturlandschaft mit Opernhaus, Schauspiel, Museen, freien Theatern, alternativen Kulturzentren.“
In einer Umfrage bekannten acht von zehn Magdeburgern, gern in ihrer Stadt zu leben. Das nötige Geld vorausgesetzt, tun sie dies bevorzugt in Wassernähe. Zum Beispiel auf einem alten Bahnhofsareal südlich der Altstadt. Oder im ehemaligen Industriestadtteil Buckau. Wo früher keiner wohnen wollte, entsteht ein attraktives Viertel. Künstler siedeln sich an, teure Lofts werden errichtet. Auch gegenüber in Cracau auf der östlichen Elbseite entsteht neuer Wohnraum. Das ruhige, citynahe Stadtfeld-West wiederum lockt Häuslebauer an.
Wie vielerorts ziehen auch in Magdeburg ältere Menschen zurück in die Stadt: Die niedrigen Preise, die exzellente Lage, der kulturelle und landschaftliche Reichtum, das sind Makler Kuhn zufolge die Argumente, sich hier einen Alterswohnsitz zu kaufen. Von den Senioren besonders nachgefragt: die Humboldtstraße, wo sich Magdeburgs Geldadel vor etwa 100 Jahren repräsentative Villen bauen ließ. Jetzt steht in deren Nachbarschaft eine moderne Wohnanlage mit insgesamt zwölf Eigentumswohnungen. Vom Balkon geht der Blick auf die alten Bäume in einer kleinen Parklandschaft. Die reizvolle Umgebung und die Ruhe haben Hans-Jürgen Anton und seine Ehefrau Margit bewogen, eine Eigentumswohnung in dem Haus zu kaufen. Jetzt leben der pensionierte Verwaltungsangestellte und seine Frau auf 100 Quadratmetern. „Für uns war es besonders wichtig, dass die Wohnung barrierefrei gebaut ist, breite Türen und schwellenlose Zugänge besitzt“, sagt Anton. Und dass das Umfeld stimmt: Geschäfte und die Straßenbahn erreicht das Ehepaar in zehn Minuten zu Fuß, die Innenstadt
in einer Viertelstunde. Bis zur Elbe sind es nur wenige Hundert Meter.
Magdeburg will aber mehr sein als ein attraktiver Ruhesitz für ältere Herrschaften – und kann gute Argumente ins Feld führen: Die Arbeitslosigkeit in der Region ist geringer, das Steueraufkommen höher als im Landesmittel. Die Stadt bildet den Schnittpunkt von Straße und Schiene. Berlin, Hannover und Leipzig sind etwa gleich weit entfernt. Europas größtes Wasserstraßenkreuz liegt vor der Haustür, und im Frühjahr starteten am Flughafen Magdeburg-Cochstedt die ersten Flieger. Außerdem ist die Verlängerung der A?14 bis Schwerin beschlossene Sache. Magdeburg sei auf einem guten Weg, sich
zum erstrangigen Logistikstandort zu mausern, glaubt Heinz-Joachim Olbricht. Der Stadtplaner setzt zudem auf das Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft am Wissenschaftshafen. Dort sollen Wohnen und Forschen verschmelzen. Der Hafen liegt in der Nachbarschaft
von Universität, Max-Planck- und Fraunhofer-Institut. Erste Unternehmen haben sich bereits angesiedelt. In zwei denkmalgeschützten Großspeichern entstehen Wohnungen.
Magdeburgs keimender Aufschwung zeigt sich auch in Zahlen. Im vergangenen Jahr zogen 1742 Menschen mehr dorthin, als die Stadt verließen. Doch Olbricht mahnt zur Vorsicht. Das Land sagt zwar Stabilität voraus, doch städtische Statistiker prophezeien bis 2025 einen Rückgang um etwa 20.000 Einwohner. Die Folgen wären dramatisch. Immer noch gibt es über die Stadt verteilt mehr als 20.000 leer stehende Wohnungen.
Die Nachfrage nach Objekten im gehobenen Segment liegt immerhin deutlich über dem derzeitigen Angebot, sagt Makler Rolf Krüger. Auf die Immobilienpreise hat sich das aber noch nicht ausgewirkt. Langfristig, glaubt Krüger, der dem Gutachterausschuss angehört, könnte sich dies ändern. Jedoch nur, wenn Wirtschaft und Bevölkerung weiter zulegen.

| Capital-Urteil** |
