Klotzen, nicht kleckern - Die besten Wohnlagen in Mainz

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wird das Wohnen immer teurer. Die Politik möchte diesen Trend stoppen. Sie weist regelmäßig neues Bauland an den Stadtgrenzen aus – doch Wohnraum bleibt Mangelware. Noch sind die Mainzer nicht überzeugt. Ihre Innenstadt wird ein neues Ein­kaufszentrum bekommen. Für den Komplex mit rund 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche soll das gesamte Areal zwischen Gutenbergplatz und Weiß­liliengasse ...

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Durchschnittspreise Top Wohnlage Gute Wohnlage Mittlere Wohnlage Einfache Wohnlage
Einfamilienhäuser (€) Altbau
450.000 - 1.500.000
350.000 - 800.000
280.000 - 450.000
200.000 - 330.000
Neubau
500.000 - 1.000.000
380.000 - 850.000
270.000 - 400.000
250.000 - 300.000
Eigentumswohnungen
pro qm (€)
Altbau
2300 - 4200
2000 - 3200
1800 - 2700
1200 - 2000
Neubau
3000 - 4400
2500 - 3500
2300 - 3000
1900 - 2300
Miete pro qm (€) Altbau
7,00 - 14,00
7,00 - 12,00
7,00 - 10,00
7,00 - 9,00
Neubau
11,00 - 15,00
11,00 - 14,00
8,00 - 12,00
7,00 - 10,00
Durchschnittliche Preis- und Mietspannen in Euro für Eigenheime sowie Wohnungen, die bei Wohnfläche, Ausstattung oder Grundstücksgröße typisch für die jeweilige Lagekategorie sind. Als Neubau gelten Objekte, die nicht älter als fünf Jahre sind oder die gerade errichtet werden. Bei Immobilien, die dem Standard nicht entsprechen, können Preise und Mieten von den genannten Werten abweichen. Quelle: Maklerumfrage, Erhebungszeitraum 2012 (*k.A: kein ausreichendes Angebot)
Klotzen, nicht kleckern - Die besten Wohnlagen in Mainz

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wird das Wohnen immer teurer. Die Politik möchte diesen Trend stoppen. Sie weist regelmäßig neues Bauland an den Stadtgrenzen aus – doch Wohnraum bleibt Mangelware.

Noch sind die Mainzer nicht überzeugt. Ihre Innenstadt wird ein neues Ein­kaufszentrum bekommen. Für den Komplex mit rund 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche soll das gesamte Areal zwischen Gutenbergplatz und Weiß­liliengasse für 250 Mio. Euro umgestaltet werden.

Viele Bürger befürchten, dass demnächst ein massiver Betonklotz ihre ­Altstadt verschandeln wird. Die jüngsten Entwürfe des Hamburger Projektentwick­lers ECE konnten zwar die schlimmsten Befürchtungen ein wenig entkräften – allein die Skepsis bleibt. Denn eine überdimensionierte Shopping-Mall gilt den meisten Bürgern ohnehin als völlig „unmainzerisch“.

Da ist es durchaus hilfreich, dass der frischgebackene Bürgermeister den Einwohnern an die Seite springt. „Ein ­Einkaufszentrum darf kein Fremdkörper in unserer Stadt sein, sondern muss zu Mainz und dem Mainzer Einzelhandel passen“, sagt Michael Ebling. „Für mich haben die Mainzerinnen und Mainzer am Ende des Planungsprozesses das letzte Wort.“

Nun können die Kritiker nur hoffen, dass das nicht nur wahltaktisches Geplänkel war. Ebenso wie andere Versprechungen. Denn viel hat er sich vorgenommen, der SPD-Mann mit dem jung-dynamischen Image. Sozial und gerecht soll es zugehen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, die Wirtschaft dennoch nicht zu kurz kommen. Immerhin kann die 200.000 Einwohner zäh­lende Bischofsstadt mit positiven sozio­ökonomischen Fakten glänzen: niedrige Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent, hohes Bildungsniveau, überdurchschnittliche Kaufkraft. Das soll so bleiben – und vielleicht sogar noch besser werden.

Dafür will Ebling sich einsetzen. Außerdem „zukunftssichere Arbeits- und Ausbildungsplätze“ schaffen, den maroden Haushalt konsolidieren und für bezahlbaren Wohnraum sorgen.

„Für die junge Erzieherin, die in Mainz händeringend gesucht wird, ist ebenso wie für den jungen Polizisten eine Dreizimmerwohnung kaum noch erschwinglich. Wir brauchen ein größeres Angebot an bezahlbarem Wohnraum“, forderte er schon als Kandidat für das höchste Amt seiner Heimatstadt.

Seit Jahren wird das Wohnen in der Stadt am Rhein immer teurer. Allein 2011 stiegen die Mieten um durchschnittlich vier Prozent. Bestandseigentumswohnungen in gefragten Lagen erzielten nach Angaben des IVD-West Rheinland-Pfalz beim Verkauf durchschnittlich sieben Prozent mehr. „Besonders Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser im Stadtgebiet sind sehr begehrt“, sagt Immobilienmakler Christian Stark.

Doch die meisten großen Konver­sionsflächen sind bereits in Wohnflächen umgewandelt – wie etwa die Gonsbachterrassen oder die Luxuswohnungen auf dem ehemaligen Kasernengelände Pont du Clair.

Daher wurden nun neue Bebauungsflächen am Mainzer Stadtrand ausge­wiesen: etwa in Finthen, westlich der ­Ludwig-Schwamb-Straße, wo 80 Ein­familienhäuser geplant sind. Am Mar­tin-Luther-King-Park im Hartenberg sollen 350 Neubauwohnungen entstehen, davon viele seniorengerecht. Auch in Laubenheim, auf dem Lerchenberg und in Hechtsheim werden Wohnungen, Reihen- und Doppelhäuser gebaut.

Im Vorzeige-Neubauprojekt in der Altstadt, dem Winterhafen, ragen nach langem Stillstand mittlerweile die ersten Rohbauten in die Höhe. Flussnah entstehen in mehreren Bauabschnitten insgesamt 380 Eigentums- und Mietwohnungen sowie neun kleine Einfamilienhäuser. Direkt am Wasser, zugleich zentral gelegen, mit Aufzug und hochwertiger Ausstattung – Neubauten dieser Art sind in der Bischofsstadt bisher rar. Für eines der wenigen Penthouses in vorderster Wasserlage mit 220 Quadratmetern Wohnfläche blätterte ein Käufer knapp 5000 Euro pro Quadratmeter hin, die durchschnittlichen Quadratmeterpreise starten bei 3500 Euro.

Währenddessen hängt das Neubauprojekt am ehemaligen Zollhafen in der Warteschleife. Hier sollen in den kommenden zehn Jahren rund 1400 Wohnungen und angrenzend ein Gewerbe- und Kulturgebiet entstehen – ungeklärte baurechtliche Fragen verzögern jedoch die Umsetzung.

Mieter und Käufer müssen mit dem vorliebnehmen, was der Immobilienmarkt hergibt. Gefragt waren 2011 vor allem Wohnungen zwischen 60 und 80 Quadratmetern bis 200.000 Euro. Kapitalanleger fragen gezielt nach Neubauwohnungen und Objekten in Zentrumsnähe. Ob sie vermietet sind oder nicht, spielt im Moment keine Rolle mehr. Vor wenigen Jahren war das noch unvorstellbar. „Bislang wollten sich die Eigentümer die Mieter selbst aussuchen“, sagt Katja Simontowski, Büroleiterin bei Engel & Völkers. Im letzten Jahr hatten die Käufer keine Wahl. Es gab genügend Interessenten, für die existierende Mieter kein Hinderungsgrund waren, eine Immobilie zu erwerben. „Etwa die Hälfte der Eigentumswohnungen, die wir vergangenes Jahr verkauft haben, war vermietet“, so Simontowski.

capital.de, 10.05.2012

Stadtteil-Vergleich: Die besten Wohnlagen

Kaufpreise:Einfamilienhaus
Altbau
Einfamilienhaus
Neubau
ETW Altbau
(pro qm)
ETW Neubau
(pro qm)
Altstadt410.000 - 1.500.000k.A.* 2000 - 42002600 - 4400
Rosengarten500.000 - 1.500.000k.A.* 2300 - 38002800 - 4100
Gonsenheim320.000 - 1.400.000350.000 - 1.000.0002000 - 31002500 - 3700
Volkspark400.000 - 850.000500.000 - 820.0002000 - 29003000 - 3500
Zahlbach350.000 - 750.000400.000 - 700.0001900 - 27002400 - 3100
Drais250.000 - 750.000300.000 - 520.0001700 - 25002400 - 2700
Bretzenheim220.000 - 600.000280.000 - 480.0001600 - 25002300 - 2800
Hartenberg250.000 - 600.000350.000 - 450.0001500 - 22002400 - 2700
Laubenheim200.000 - 600.000250.000 - 350.0001600 - 22002200 - 2600
Mietpreise:Haus oder Wohnung
Altbau (pro qm)
Haus oder Wohnung
Neubau (pro qm)
Capital-Urteil**
Altstadt7,00 - 14,0010,50 - 15,00
Rosengarten7,00 - 12,0010,00 - 13,00
Gonsenheim7,00 - 11,0010,00 - 12,00
Volkspark7,00 - 12,0010,00 - 12,00
Zahlbach7,00 - 10,0010,00 - 12,00
Drais7,00 - 10,0010,00 - 11,50
Bretzenheim7,00 - 10,009,00 - 11,50
Hartenberg7,00 - 9,508,00 - 11,00
Laubenheim7,00 - 9,508,00 - 10,50
Durchschnittspreise in Euro für typische Objekte; Quelle: Maklerumfrage, Erhebungszeitraum 2012
Preisprognose für 12 Monate: = mehr als +5%, = +2 bis +5%, = +2 bis -2%, = -2 bis -5%, = mehr als -5%.
(*kein ausreichendes Angebot; **Capital-Urteil: Ein Haus steht für "Finger weg",fünf Häuser stehen für ein "sehr attraktives Investment")
4
Capital-Urteil**
Das Preisniveau für Mieten und Eigentum zieht seit Jahren an. Günstiger Wohnraum ist knapp. Daran ändern auch die zahl­reichen Neubauten nichts. Denn alle größeren Projekte werden von einem Bau­investor dominiert. Dieser und seine Partnerunternehmen diktieren häufig die Neubaupreise auf dem Immobilienmarkt.