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Begehrtes Kulturidyll - Die besten Wohnlagen in Weimar
An der Weimarer Eduard-Rosenthal-Straße liegt eine große Brachfläche: der Schlachthof. Tiere werden hier schon seit Jahren nicht mehr geschlachtet, auf dem Gelände stehen einige halbverfallene Gebäude, Bäume und Unkraut wuchern. Nebenan residiert das Arbeitsamt, an der Südseite, auf der anderen Seite der Straße, stehen einige Einfamilienhäuser verschiedener Baustile, dahinter fällt der Hang sanft in ein baumbestandenes Tal hinab. Noch ist es idyllisch. Bald aber, geht es nach den Vorstellungen eines Investors, wird sich rege Bautätigkeit entfalten. An den Plänen für eine Wohnanlage wird gearbeitet. Die Stadtverwaltung, sagt Ursel Griegutsch vom Stadtentwicklungsamt, begleitet das Projekt „positiv.“ Denn es würde die Nordvorstadt bereichern und einen der letzten „grauen“ Flecke von Weimar beseitigen.
Auf der anderen Seite des Tals südlich vom Schlachthof steht in einem kleinen Waldgebiet das Schießhaus, ein beliebtes Naherholungsgebiet Weimars. Hier ist ein Baugebiet für exklusive Einfamilienhäuser geplant. Doch das Projekt kommt nicht recht voran – wegen des Widerstands von Bürgerinitiativen, die eine Verschandelung der schönen Landschaft befürchten. In den Streit hat sich auch das Thüringer Kultusministerium eingeschaltet und Gutachten in Auftrag gegeben. Die sollen klären, ob das Areal am Schießhaus zum schützenswerten Unesco-Weltkulturerbe Weimars gehört. Sollte sich das bestätigen, dürfte es um das Wohnbauprojekt schlecht stehen.
Überhaupt regen sich in Weimar viele Begehrlichkeiten. Da sind Geschäftsleute und Professoren aus dem benachbarten Jena, die ob des Flairs, der Kultur und der Beschaulichkeit hier wohnen wollen – wobei es durchaus exquisit sein darf. Da sind die Studenten der Bauhaus-Universität, die möglichst preiswert wohnen wollen, sich aber oft die sanierten Wohnungen in der Altstadt nicht leisten können und sich allmählich von dort verdrängt fühlen. Da sind die Kommilitonen aus Jena, die dort erfolglos auf der Suche nach freiem Wohnraum sind und ihr Glück nun in Weimar versuchen. Da sind begüterte Senioren aus Westdeutschland, die in der einstigen Residenzstadt den Lebensabend verbringen möchten ...
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| Capital-Urteil** |



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